Suche den Frieden und jage ihm nach

„Suche den Frieden und jage ihm nach.“ - 

Psalm 34, 15

Liebe Gemeinde!

FRIEDEN – ein großes Wort im Deutschen wie im Hebräischen, der Sprache, in der der Psalm 34 ursprünglich geschrieben ist. Schnell sind wir uns einig: Alle Menschen, egal welcher Herkunft, welcher Religion, sehnen sich nach Frieden.

In Frieden zu leben, zu Frieden zu sein, inneren Frieden zu finden, sich Frieden zu bewahren, das alles sind grundlegende menschliche Bedürfnisse.

Frieden lässt sich auf ganz unterschiedlichen Wegen suchen. Konflikte können vermieden werden, indem man darauf achtet, dass alle Beteiligten zufrieden sind. Konflikte können entschärft werden, indem man eigene Fehler eingesteht, sich entschuldigt oder die eigenen Bedürfnisse klar und deutlich ausspricht, anstatt darauf zu warten, dass sie jemand errät.

Frieden lässt sich auch dadurch suchen, indem man ausweicht. Ich gehe Menschen, mit denen ich keinen gemeinsamen Nenner finde, aus dem Weg. Ich begrabe Probleme und lasse sie hinter mir. Ich suche meinen eigenen inneren Frieden, wenn Versöhnung nicht möglich ist. Auch das ist eine Möglichkeit.

Es gibt so viele unterschiedliche Wege zum Frieden. Und doch erscheint mir der eigene innere Frieden, ja auch die Genügsamkeit, die Zufriedenheit, mit dem was ist, die tiefere Wurzel des Friedens zu sein. Der äußere wie der innere Friede gerät aber auch immer wieder in Gefahr:

Frieden ist in Gefahr, wo Menschen von Konflikten profitieren, vielleicht sogar an Konflikten und Ungerechtigkeiten verdienen oder sich durch ungerechte Verteilung selbst eine bessere Position sichern, in der Familie, im Job oder auch in der Weltgemeinschaft.

Frieden ist da in Gefahr, wo Menschen – auf Kosten anderer – mehr wollen oder glauben, mehr zu sein oder mehr zu verdienen als andere Menschen.

Frieden ist auch in Gefahr, wo Menschen sich im Nachteil sehen, das Gefühl haben, zu kurz zu kommen, sich vielleicht auch ganz zu Recht ungerecht behandelt fühlen.

Frieden ist da in Gefahr, wo Menschen mit dem Feuer spielen und Menschen gegen andere Menschen aufhetzen oder empfänglich werden für Hetze gegen „die Anderen“.

„Suche den Frieden und jage ihm nach.“ - Psalm 34, 15

Dieser Spruch ist heute so aktuell wie vor fast 3000 Jahren, als dieser Psalm verfasst wurde. Solange es Menschen gibt, sehnen sie sich nach Frieden, nach allumfassendem Wohlsein, nach dem, was wir landläufig Glück, Sicherheit und Zufriedenheit nennen oder im Hebräischen eben „Schalom“.

Frieden meint immer sowohl meinen Frieden als auch den Frieden und die Zufriedenheit der Anderen. Frieden baut auf ein tiefes, inneres Gleichgewicht.

Dieser Wunsch nach echtem, tiefen und stabilen Frieden steckt in dem hebräischen Gruß: „Schalom!“ Möge Gottes Friede in und mit uns sein und unserem Suchen und Jagen ein Gleichgewicht verleihen.

Mit den besten Grüßen und Wünschen 
Ihre Pfarrerin Dr. Stefanie Schön